Mein Nein zu den Nachrichten

von Birgit Neumann

Selbst als Nachrichten-Junkie kam bei mir irgendwann der Punkt, an dem ich einfach nur noch Nein sagen konnte.

Ich bin seit Jahren ein politisches Nachrichten-Junkie. Talkshows, Magazine, Reportagen – ich hab kaum eine Sendung verpasst. Bis vor ein paar Monaten, da habe ich abends auf dem IPad nach aktuellen Beiträgen gesucht. Und da war schon wieder ein neuer Konflikt, dieses Mal zwischen den USA und dem Iran. Und plötzlich hatte ich die Nase voll, und ich habe alles weggeklickt, bei nichts bin ich hängengeblieben. Zu jeder Sendung habe ich "Nein" gesagt, es war wohl eher ein Nein zu den handelnden Personen, zu dieser andauernden dem Atemlosen. Krise hier, Eskalation da, alle paar Tage ein neues Fass.

Das war echt sehr merkwürdig für mich. Ich interessiere mich doch für sowas, seit ich denken kann! Aber offenbar hatte auch mein Interesse eine Grenze, die jetzt erreicht war.

Ein paar Monate lang war dann einfach Ruhe. Ich hatte schlicht kein Bedürfnis, auf dem Laufenden zu sein, Nachrichten oder Talk-Runden zu sehen. Erst mit der Berichterstattung zur Wahl in Sachsen-Anhalt kommt mein Interesse jetzt langsam wieder.

Und weißt du, woran mich das erinnert? An viele Unternehmen, die keinen Bock auf das Thema Krisenkommunikation haben. Ehrlich – ein ganzes Stück verstehe ich das jetzt sogar. Wer soll sich freiwillig mit noch mehr Krise beschäftigen, wenn schon der Alltag voll davon ist? Nur: Genau diese Lustlosigkeit wird zum Problem, wenn die eigene Krise dann wirklich vor der Tür steht. Dann ist es zu spät, sich erst noch damit anzufreunden.

Sollte man vielleicht nochmal drüber nachdenken, oder?

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